Burnout? Warum ich ein Jahr gebraucht habe, um darüber sprechen zu können.

Burnout? Warum ich ein Jahr gebraucht habe, um darüber sprechen zu können.

Burnout? Was ist das eigentlich? Warum hast du das? Hast du das wirklich?
Anfang letzten Jahres hat für mich mit einem Ende begonnen. Einem Ende an Kraft, einem Ende an Lust, einem Ende an jeglichem Handlungswillen. Langsam hat sich aus der Ohnmacht ein starkes Nein entwickelt. Ein Nein gegen fast alles, was ich bis jetzt gemacht habe. Und aus dem Nein heraus habe ich mich Schritt für Schritt in Richtung meines neuen Ja gewendet. Bis ich heute wieder erleichtert sagen kann: Meine Kraft ist wieder da!

Vor kurzem hat mich ein guter Freund beim gemeinsamen Abendessen gefragt: „Wie geht’s es dir eigentlich, Natalia? Wie war das vergangene Jahr für dich? Wie hast du dich aus dem ganzen herausgeholt?“

In dem Moment ist mir aufgefallen, dass ich, bis auf meinen großartigen Mann Alex und eine gute Freundin, mit niemandem sonst bis jetzt wirklich ehrlich darüber gesprochen habe… Über ein Jahr ist vergangen und ich habe nicht den Mut dazu gehabt. Warum eigentlich nicht, habe ich mich selbst gefragt?

Burnout? Ich doch nicht!

Das soll einer der typischen Burnout Symptome sein. Ich? Nein! Ich habe doch kein Burnout. Ich bin nur ein bisschen müde, das ist alles. Aus müde wird erschöpft und aus erschöpft wird irgendwann einfach vollkommen fertig, demotiviert und lustlos.

Aber nein. Das ist noch lange kein Burnout. Ich bin doch eine starke Frau. Jetzt ist einfach nur viel zu tun, da muss ich durch. Bis zum nächsten Urlaub und dann wird alles wieder gut…. Nur irgendwann wird es auch dann nicht mehr gut. Irgendwann wurde mir in der Früh, schon alleine beim Gedanken daran aufzustehen und ins Büro zu gehen, übel.

Zum Glück hat mich Alex zum Arzt geschickt. Der hat mich auch sofort krankgeschrieben. Was war allerdings mein erster Gedanke? Super! Jetzt kann mich dem Aufbau meines neuen Business widmen… Ein kleines Problem war es dann aber doch, dass ich nach nicht mal einer Stunde vorm Laptop sitzen, emotional oder körperlich oder beides, zusammengebrochen bin.

Das war aber nur ein kleines Problem, oder? Es hat von Anfang Jänner bis Mitte März gedauert, bis ich es wahrgenommen und verstanden habe, dass ich Ruhe geben muss. Komplett. Sonst werden sich meine Power Akkus nie wieder aufladen.

Burnout? Das ist doch etwas für Loser….

Dieser Gedanken kommt direkt aus dem Fixed Mindset. Ich bin ein sehr ambitionierter und zielstrebiger Mensch. Ich gebe das was ich mache nicht einfach auf. Ich bin bin konsequent und hartnäckig. Alles super Eigenschaften, ich weiß. 😉 Problematisch wird es allerdings dann, wenn es einem nie genug ist. Es könnte ja schließlich immer mehr, schneller und besser sein, als das was ich geleistet habe.

Das Fixed Mindset verurteilt dein eigenes selbst. Entweder bist du ein super Hero, oder du bist eben ein Loser. Wenn du dich im Fixed Mindset befindest, sucht du nach diesem Urteil. Entweder in Form einer Bestätigung von außen, oder von dir selbst. Wenn die Bestätigung nicht kommt, verurteilst du dich als einen Loser.

Diese Denkweise bringt Menschen dazu, entweder gar nichts zu machen (wenn ich etwas nicht mal probiere, dann kann ich gar nicht erst scheitern), oder ganz im Gegenteil, sie bringt manche Menschen zu einem nie aufhörenden Lauf nach mehr, schneller und besser. Der Lauf selber ist nicht das Problem. Nach mehr und besser zu streben ist schließlich die einzige Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln.

Das Problem kommt aber dann, wenn man eigene Erfolge nicht wirklich anerkennt. Dann muss man einfach immer mehr tun, weil es nie genug ist, weil es nie zufriedenstellend ist. Und irgendwann kann man einfach nicht mehr….

Wenn du auch eine Angst vorm Versagen in dir spürst, wenn du dazu tendierst dich selbst als Loser zu verurteilen… Hier erfährst du mehr, wie du dich bewusst von einem Fixed Mindset in das Growth Mindset versetzten kannst. In ein richtiges Power Mindset aus dem du deine Kraft nachhaltig schöpfen wirst 😊

Burnout? Architekten haben kein Burnout.

Auch wenn schon über Burnout in den letzten Jahren viel gesprochen wurde, das Verständnis und die gesellschaftliche Akzeptanz hält sich in Grenzen.

Angefangen bei den Arbeitskollegen, die das irgendwie komisch finden, dass du schon seit drei Monaten im Krankenstand bist. Wer zahlt den das bitte? Durch die Vorgesetzten, die sich oft denken: als wir jung waren, gab es sowas gar nicht… Da wurde noch richtig gearbeitet! Bis zu deinen Freunden, die dich so einfach nicht kennen.

Gerade, wenn du ein Workaholic bist, ist es für dein Umfeld schwer diese zwei Extreme zu einem Bild zusammenzufügen. Fragen dieser Art habe ich nicht selten gehört: Was? Gestern warst du noch voller Elan, bist bis 10 Uhr am Abend im Büro gesessen und hast mir davon erzählt, wie du morgen die Welt erobern wirst, und heute kannst du auf einmal nicht mehr aus dem Bett rauskommen? Gibt’s das?

Ja, das gibt’s. Vor allem dann, wenn man selber die eigene Erschöpfung nicht wahrhaben will (und das ist meistens der Fall), bricht man „unerwartet“ von einem Tag auf den nächsten zusammen. Wenn nicht mal ich selbst es kommen habe sehen, wie konnten es die anderen? Das macht aber das Burnout nicht weniger wahr…

Burnout? Hast du wirklich Burnout?

Übertreibst du nicht ein wenig? Nimm dir einfach ein paar Tage mehr Urlaub und dann wird schon alles gut sein. Dann kannst du wieder „normal“ Leben und wie jeder andere auch in die Arbeit gehen.

Manche Sachen sind für uns einfach nicht vorstellbar, wenn wir sie selbst nicht erlebt haben. Auch wenn du ein emphatischer Mensch bist. Du kannst einfach nicht wissen, wie sich ein Knochenbruch anfüllt, wenn du nie einen erlebt hast. Du kannst dir den Schmerz einer Geburt nicht vorstellen, wenn du selbst nie ein Kind auf die Welt gebracht hast. Und genauso wenig können es die meisten von uns nachvollziehen, dass jemand tatsächlich kraftlos ist. So, dass ihn sogar das Haare Trocknen überfordert.

Eines was man aber immer machen kann, ist dem Betroffenem zuzuhören. Zuhören, statt Urteilen und ungefragte Ratschläge geben. Nicht ernst genommen zu werden, war eine der größten Herausforderungen mit der ich im letzten Jahr konfrontiert wurde. Fairerweise muss ich aber zugeben, ich habe mich selbst sehr lange nicht ernstgenommen…

Burnout? Warum lachst du dann noch überhaupt?

Das klingt jetzt im Nachhinein lustig, aber am Anfang war es das ganz und gar nicht. Eine meiner Eigenschaften, für die ich sehr dankbar bin, ist grundsätzlich positiv zu denken. Diese Eigenschaft hat mir auch sehr geholfen in meinem Burnout-Recovery Prozess.

Gefühlsmäßig war es aber in dieser Zeit etwas Verbotenes. Wenn ich schon behaupte Burnout zu haben, dann soll ich doch auch die ganze Zeit traurig und deprimiert sein. Dann darf mich eine Kleinigkeit, wie der schöne Winterschnee nicht freuen. Dann darf ich nicht mit hoch gehobenem Kopf durch die Stadt flanieren…

Sobald ich wieder lachen kann, ist doch alles schon gut. Dann kann ich ja schon wieder zurück in die Arbeit kommen…

Nein!

Positiv sein, viel zu lachen und eine selbstbewusste Haltung anzunehmen ist die beste Medizin gegen jeden Zusammenbruch. Und natürlich ist es ein positives Zeichen, dass ich mich nicht in der allerletzten Burnout-Phase befinde und kurz vorm Selbstmord stehe… Aber das heißt nicht, dass ich keine Burnout-Recovery Zeit mehr brauche. Das heißt noch lange nicht, dass alles Bestens ist.

Burnout? Eine Chance ein Power Leben zu führen?

Du weißt schon, ich bin ein positiver Mensch und finde in jeder Situation etwas Gutes 😉 Genauso auch in meinem Burnout. Das war auch der ultimative Game-Changer für mich. Durch diese Umstände wurde ich dazu gezwungen mir über mich selbst und über mein Leben wirklich Gedanken zu machen. Und das hat dazu geführt, dass ich mein Leben im letzten Jahr um 180 Grad umgedreht habe.

Ich habe zwar eines der schwierigsten, aber gleichzeitig eines der schönsten Jahre meines Lebens hinter mir. Was dazu geführt hat, dass dieses Jahr so großartig war, was mir geholfen hat meine Kraft wieder zurückzubekommen – das liest du im nächsten Beitrag.

Danke fürs Zuhören!

Deine Natalia

About the Author Natalia Dziadus-Hammerschmied

Am liebsten schmiede ich neue Pläne: eines Office-Buildings, einer Marketingstrategie, eines Websitekonzepts... Dabei lerne ich ständig Neues und diese Herausforderungen machen mich lebendig! In der Zwischenzeit schreibe ich darüber, wie sich mein Leben dadurch verändert und wie mich das glücklich macht :)

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  • […] ich eines Tages „ganz überraschend“ mit Burnout aufgewacht bin, habe ich noch mit der letzten Kraft beschlossen: Ich werde alles Mögliche tun, um […]

  • […] und fast ein Jahr gebraucht , um wieder auf die Beine zu kommen. Sie hat auf unserem Hauptblog in diesem Beitrag tiefe Einblicke in diese sehr harte Zeit verfasst. Ich glaube sie freut sich sicher, wenn du ihr […]

  • Avaganza sagt:

    Ich kenne Burnout aus eigener Erfahrung! Ich habe es total unterschätzt wie sich Burnout anfühlt … eine ganz schlimme Erfahrung und jetzt tue ich alles damit es mir nicht mehr passiert.

    Guter Beitrag!
    lg
    Verena

  • Wioleta sagt:

    Liebe Nathalie,
    Ich verstehe Dich dabei vollkommen! Ich bin ebenfalls an einen Punkt gekommen an dem ich meinen Job nicht mehr mit dem Mamasein vereinbaren kann. Es kommt immer mehr und immer länger. Und der einzige Weg da raus ist tatsächlich da raus zu gehen.
    Ich finde es faszinierend wie Du die Kraft gefunden hast nein zu sagen und nun dein Ding machst. Ich wünsche dir dabei alles Gute!

  • Super, dass du so offen darüber schreibst. Ich denke mittlerweile haben viele eben auch einfach Angst davor es auszusprechen, weil es oft schon als Modekrankheit abgestempelt wird. Ich war zwar nicht selbst betroffen, aber im nahen Umfeld jemand und das ist wirklich kein Spaß. Aber das muss ich dir ja nicht sagen. Wichtig ist nur, dass man für sich selbst wieder einen guten und positiven Weg findet.

    Liebe Grüße,
    Verena

  • Silvie sagt:

    Wow, danke für deinen offenen und ehrlichen Beitrag zu diesem sehr privaten Thema. So ist es ja leider bei viele psychischen Erkrankungen. Niemand kann es so richtig nachvollziehen, der es nicht selbst gefühlt hat. Heute weiß man zwar das psychischen Erkrankungen keine Dämonen mehr sind :D, aber so richtig offen darüber sprechen tut keiner. LG, Silvie

  • Noah sagt:

    Menschen mit Burnout oder Depressionen sind wahrhaftig die starken Menschen unter uns. Jeder Tag ist für viele ein Kampf.
    Und ich weiß wovon ich spreche.
    Danke für diesen Eintrag.

    Liebe Grüße,
    Noah

  • Ich habe auch gerade einen Artikel zum Thema Burnout bei Mamas auf meinem Blog http://www.mamazeiten.com geschrieben. Burnout kann wirklich Jeden treffen. selbst bei Schülern gibt es heutzutage schon Anzeichen dafür. Wichtig ist aktiv zu werden, sich kurieren und eingestehen, dass es so nicht weiter gehen kann. Es ist nicht zu unterschätzen und besonders Frauen machen sich oft viel Druck und Stress. Danke für deine offenen Worte und das Du die Geschichte mit uns teilst. Liebe Grüße Nini

  • Anna sagt:

    Das Thema Burnout ist super spannend. Ich hab mich damit ehrlich gesagt noch nicht so ausgiebig befasst. Aber ich kann mir richtig gut vorstellen, dass man selber denkt, ach, ich bin nur etwas erschöpft und es sich selbst nicht eingestehen will… Umso besser, dass du einen so aufmerksamen Mann hast!

    Und sehr schön, dass du jetzt darüber reden kannst und es dir wieder besser geht!

    Liebe Grüße
    Anna

  • ein so wichtiges Thema und leider sprechen viel zu wenige darüber, weil es dich wohl auch keiner so Recht eingestehen will :/

    daher ist dein Beitrag ein wirklich toller Appell, das zu tun!

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina

  • Mira sagt:

    Ein wirklich schöner, tiefgehender und vielseitiger Blogpost. Ich kann manche Gedanken so gut nachvollziehen – und doch sollte man eben darüber sprechen. Ich danke dir sehr, für diesen emotionalen Einblick!

  • Emilie sagt:

    Ich finde es schön, dass du jetzt die Kraft findest, darüber zu sprechen bzw. zu schreiben. Die Fragen, die du hier dazu aufgeschrieben hast, stecken sicherlich in uns allen drin… Besonders dass Burnout von Außenstehenden nicht (mehr) ernst genommen wird, ist in meinen Augen aktuell ein großes Problem.
    Viele Grüße,
    Emilie

  • […] immer auf später verschoben habe: Die Entscheidung, etwas in meinem Leben zu verändern. Ich musste zuerst ein fortgeschrittenes Burnout erleiden, um mich dafür zu entscheiden. Aber das ist eine Geschichte für […]

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